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Ich habe einen Auftrag. Solange ich noch hier bin, erzähle ich meine Geschichte und vergesse es auch nicht. Ich vergesse es nicht und erzähle meine Geschichte. (Zilli Schmidt)

Scheitern

von Margot Papenheim


Nein, schön ist das nicht. Aber eine Erfahrung, der kein Mensch zeitlebens entkommt. Niemand, die oder der es nicht schon selbst oder – noch schwerer zu ertragen – bei geliebten anderen erlebt hätte.

Eine Schlappe erleiden, baden gehen, vor die Wand fahren. Für „scheitern" gibt es viele Synonyme; keins davon erfasst die Dramatik des Erlebten anschaulicher. Scheitern kommt von „Scheite" – Teile des in Stücke gehauenen Holzklotzes. Genau so, „in Stücke zerlegt", fühlen wir uns, wenn unsere Träume und Hoffnungen platzen, unsere Lebenspläne oder beruflichen Karrieren zerbrechen, eine Aufgabe sich als zu groß für uns erweist, ein Anspruch als zu hoch. Gescheitert. Manchmal so krachend, dass wir lange nicht wissen, ob wir uns davon je erholen werden.

Nein, schön ist das nicht. Und es ist auch nicht leicht, mit einer solchen Erfahrung fertig zu werden. „Gescheiter scheitern", „Augen zu und durch", „Kopf hoch, das Leben geht weiter" oder „Lass dich nicht kleinkriegen", das mag helfen, wenn was dumm gelaufen ist. Wo eine oder einer gerade wirklich gescheitert, in Stücke gegangen ist, sind flotte Sprüche dieser Art weder Trost noch Hilfe. Irgendwo kam mir kürzlich eine Gedichtzeile entgegen – ich weiß nicht mehr, wo. Der Name des Autors, Johannes Kühn, war mir bis dahin unbekannt; das Gedicht, zu dem sie gehört, habe ich nicht gefunden. Aber diese eine kleine Zeile, die geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „An der Verheißungen Fenster habe ich mich dennoch gesetzt." Das, denke ich, kann nur einer schreiben, der weiß, wie Scheitern sich anfühlt und sich keine Durchhalteparolen zumutet. Der aber dennoch! nicht aufgibt, der dennoch! nach dem rettenden Schimmer der Hoffnung ausschaut. Ja, so könnte es, wenn überhaupt, gehen. Wenn du, mein unbekannter Dichter, das kannst, vielleicht kann ich das dann auch?

Nein, ein schönes Thema ist das nicht. Aber auch keins, vor dem man/frau wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren muss. Vielleicht entdecken Sie in der Auseinandersetzung mit dem Scheitern ja die Kraftquellen Ihres ganz eigenen Dennoch! neu?

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