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Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg. (Gandhi)

Für Dürstende umsonst

Bibelarbeit zur Jahreslosung 2018

von Maria Jepsen


Was wird das Jahr 2018 uns bringen? Was werden wir tun und lassen, empfangen und weitergeben? Fragen be­drängen uns angesichts der politischen und gesellschaftlichen Situa­tion, der kirchlichen Entwicklung und des eigenen Lebens.

Die Welt sei „aus den Fugen geraten", so hieß es immer wieder im zu Ende gehenden Jahr. Schon seltsam, dass ein solches Bild gewählt wird, um die weltweite Lage zu beschreiben. Als wäre unsere Welt, unser Erdball, unsere Erdscheibe aus einem Spalt oder Zwischenraum herausgefallen, herausgeworfen. Erwarten wir, dass Gott die Kluft wieder schließt? Rechnen wir damit, dass ein Deus ex machina plötzlich erscheint und eingreift und alles zum Guten wendet? Anno Domini 2018 – werden wir paradiesische Momente erleben? Wird in unserem Land für uns Milch und Honig fließen? Und werden wir davon abgeben denen, die da hungert und dürstet nach Lebensmitteln und nach Gerechtigkeit?

Verliebte und Verzweifelte äußern sich häufig mit bildreicher Sprache, um etwas auszudrücken, was sich nicht einfach nüchtern erklären lässt. Informationen und fachliche Analysen und eindeutige Erklärungen scheinen das nicht erfassen zu können, was unsere Emotionen bestimmt. Unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Sehnsüchte und Enttäuschungen drängen uns Bilder auf. Wenn wir also immer wieder von der aus den Fugen geratenen Welt sprechen und hören, dann spielt da tiefe Angst und Sorge mit, ein beklemmendes Gefühl der Ohnmacht. Und die Sehnsucht, dass da eine Macht wäre, die alles wieder richtig und nachhaltig zusammenfügt und ins rechte Lot bringt. Gott als Weltenlenker? Können Demokraten, Technokraten, Großmächte, Schicksalsmächte eine Wende bringen – oder doch nur Gott?


Aus den Fugen geraten

Als die Offenbarung des Johannes um die erste Jahrhundertwende unserer Zeitrechnung niedergeschrieben wurde, schien die Welt auch aus den Fugen geraten. Die Ängste waren gewaltig, insbesondere unter den Christinnen und Christen. Die ersten großen Christ_innenverfolgungen wurden in Gang gesetzt, durch Hinrichtungen oder Benachteiligungen im Alltag. Der Kaiserkult brachte die christlichen Gemeinden in Bedrängnis. Eine Gratwanderung zwischen politisch-gesellschaftlichen Pflichten und christlichem Glaubens­gehorsam.

Der Verfasser der Apokalypse will mit seiner Schrift die christliche Gemeinde ermutigen und in ihrem Glauben bestärken. Er ist geprägt von den jüdischen Glaubensaussagen und –bildern und vom Glauben an Jesus Christus. Noch gibt es für ihn keine Vorrangstellung des Neuen Testaments vor dem Alten Testament. Wie gut! Er weist sie hin auf drohende Gefahren und auf Heilsbilder: auf die heilige Stadt Jerusalem, den Thronsaal Gottes und das lebenspendende Wasser. Der Verfasser schreibt die Apokalypse nicht als geheime Offenbarung auf, sondern als eine prophetische Schrift, die öffentlich den Gemeinden vor­gelesen werden soll.

Auf die bangen Fragen, die wir Anfang 2018 stellen, würde der Verfasser der Apokalypse antworten: Vertraut Gott und Jesus Christus, sie werden euch nicht allein lassen und zu eurer Welt stehen, auch wenn sie aus den Fugen zu geraten droht. Gott und Jesus Christus sind Tag und Nacht bei euch, auch in Leid und Schmerz. Sie geben euch Heil und Hoffnung, lebendiges Wasser.


Kampf ums Wasser

Den Satz: „Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben" hören wir Christen und Christinnen heute in sehr unterschiedlicher Weise. Hier bei uns verfügen wir ständig über Leitungswasser, das nicht viel kostet. Zwar finden sich auch in Deutschland Medikamentenrückstände, Schwermetalle, Uran, Mikroplastik, Bakterien, Kalk, Chlor, Asbest und Nitrat im Wasser, aber da gibt es Warnungen und gute Filter, die diese Rückstände zurückhalten. Zudem haben wir andere Getränke in reichlicher Auswahl. Selten haben wir – jedenfalls, wenn wir gesund sind – über längere Zeit quälenden Durst. Gesundheitsfachleute mahnen uns, einige Liter Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Möglichst kalorienarme Getränke und nicht zu viel Koffein und Alkohol.

Vielen Menschen in anderen Ländern sind solche Trinkmöglichkeiten fremd. In Afrika weithin und im Jemen beispielsweise verfügt die Bevölkerung kaum über sauberes Wasser. Krankheiten wie Cholera verbreiten sich und führen zum frühzeitigen Tod. Alle 20 Se­kunden stirbt ein Kind an unzureichender Wasserversorgung. Wir sollten nie vergessen: Lebendiges Wasser ist vielerorts zur Mangelware geworden, heute noch mehr als in biblischen Zeiten. Wir haben es bei all unseren technischen und medizinischen Errungenschaften versäumt, auf die Qualität des Wassers zu achten, und das Menschenrecht auf sauberes Wasser vernachlässigt.

Wir wissen, dass der Kampf um Öl und Energie mit politischen Auseinandersetzungen und Kriegen geführt wurde und wird und dass der Kampf um gutes Wasser in Zukunft weitere Konflikte bringen wird. In Israel/Palästina beispielsweise. „Der Bau von Brunnen und Wasserleitungen sowie die Renovierung veralteter Wasserstrukturen unterliegt in der Zone C der vollständigen Kontrolle durch die Besatzungsmacht und bedarf einer Erlaubnis durch das Militär. In den Jahren zwischen 2011 und 2013 sind 97 Prozent der Anträge, die sich auf den Ausbau oder die Renovierung von Wasserinfrastruktur bezogen haben, von den Besatzungsbehörden abgelehnt worden. Im selben Zeitraum wurden von der israelischen Armee 205 Wasser-Einheiten zerstört." So sieht es heute dort aus, wo Jesus damals seine Wasser-Worte sprach.

Wie wird der biblische Satz „Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben" dort heute von den christlichen, islamischen und auch jüdischen Menschen verstanden? Es geht darum, die Schöpfungsgeschich­te in unser Denken und Handeln hineinzuholen. Unseren Glauben ernst zu nehmen – mit nachhaltigem Umweltschutz und demokratischer, geschwisterlicher Ressourcenteilung.


Durstlöscher und Heilsstrom

Der Blick in die biblischen Schriften zeigt uns, dass es Gottes Wille ist, dass Wasser geteilt werden kann und soll. Brunnengeschichten zeigen sich uns als Beziehungsgeschichten: Rebekka und Jakob, Rahel und Jakob, Mose und Zippora lernten sich am Brunnen kennen und lieben. Hagar wurde am Brunnen gerettet und gebar ihren Sohn Ismael. Jesus traf die Samariterin am Brunnen. Hier kam es nicht zu Liebesbeziehung und Heirat, aber dazu, dass die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Jesus als Heiland bekannten; so führte auch hier das Wasser zu einer segensvollen Beziehung. Der Prophet Jeremia (2,13; 17,13) weist darauf hin, dass Gott die lebendige Quelle ist. Der Prophet Sacharja (14,8) sagt, dass am Tag des Herrn lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, zum Meer im Osten und zum Meer im Westen; so wird es sein im Sommer und im Winter.

Ein Stück heile Welt? Nein, die ganze Welt soll Fülle haben an Wasser. Für Menschen, Tiere, für alle Geschöpfe, für alles Geschaffene wird es gut sein. Gott weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele und schenkt mir voll ein, mein Leben lang. Wasser als Durstlöscher und Heilsstrom über den Augenblick hinaus. Nicht wie ein Naturwunder, sondern wie ein Heilszuspruch. Die Heilung wird von denen erfahren, die sich auf die Worte einlassen und das Wasser, das Heil, an sich, in sich einlassen und das Wasser, das Heil, in sich aufnehmen wollen. Die Entscheidung muss getroffen werden: Ja, ich will dieses Wasser annehmen und aufnehmen. Wie besonders beliebt der 23. Psalm bis heute ist, daran lässt sich die Sehnsucht nach Gottesnähe erkennen.

Auffällig ist, dass die Worte vom lebendigen Wasser in der Offenbarung (7,17 und 21,6) verbunden sind mit der Verheißung Gottes, dass alles Leid und ­Geschrei aufhören und Gott alle Tränen abwischen wird. Die salzigen Tränen nimmt Gott weg, die versalzenen Brunnen verschließt Gott – nur lebendiges Wasser schenkt er uns und seiner Schöpfung.

Ist das nur eine Vertröstung auf den Sankt Nimmerleinstag? Nein, auch heute machen wir, machen viele Menschen solche Erfahrungen. Etwa wenn ein Kind oder ein Erwachsener getauft wird: „Das ist ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist", wie Luther in seinem Kleinen Katechismus schreibt. Wenn wir eine vertrauensvolle Gemeinschaft gefunden haben, sei es in Familie oder Gemeinde, sei es bei der Arbeit, in der Nachbarschaft oder wo immer. Wenn wir über unsere Ängste und Sorgen reden können, sie im Gebet Gott anvertrauen und dann neue Schritte wagen. Wenn wir uns an der Schöpfung freuen und verliebt sind, uns versöhnt haben mit Menschen, denen wir das Leben schwer gemacht oder die uns verletzt haben.


Bei Gott ist es anders

In unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft sind wir es gewohnt, dass alles erarbeitet und bezahlt werden muss. Herabgesetzte Ware lehnen wir zwar nicht ab, aber bei Schnäppchenangeboten rechnen wir damit, dass sie nur für kurze Zeit zu haben sind oder irgendwelche Mängel aufweisen können. Wirkliche Qualitätsware hat eben ihren Preis. Und die Ausbeutung anderer Menschen, Kulturen und natürlicher Ressourcen, die oft hinter den Billigangeboten steckt, sollten wir nicht unterstützen. Fair trade – das gilt auch für Essen und Trinken. Also Vorsicht bei Versprechen, dass wir einfach so begünstigt werden sollen. Es geht meist um
do ut des, wie du mir so ich dir.

Bei Gott ist es anders? So ganz einfach ist das nicht zu glauben. Viele von uns haben noch Spuren vom Ablassglauben in sich. Wir meinen insgeheim, dass unser inneres (und äußeres) Wohlbefinden entscheidend von unserem Verhalten abhängig ist. Dass Frömmigkeitsübungen sich irgendwie schon auszahlen. Der religiöse Markt boomt ja geradezu, verbunden mit allem, was den Körper betrifft. Wenn wir fest mit Gott rechnen, dann wollen wir vor ihm doch nicht leer dastehen. Ganz ausgedörrt wollen wir nicht sein. Die eigene Schwäche anzunehmen und einzugestehen, das fällt uns schwer. Und doch versäumen wir es, das geistliche Trinken einzuüben. Unseren Durst ernst zu nehmen und nicht einfach zu verdrängen oder zu betäuben. Wenn wir Luthers Rat folgen: Schöpfe aus der Quelle und lies fleißig die Bibel! Denn ein guter Textkenner ist auch ein guter Theologe, dann schaffen wir es leichter, auch unsere eigene Schwachheit und Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe und Heil einzugestehen. Dann stoßen wir immer wieder auf Texte, die dazu einladen, uns beschenken und stärken zu lassen, die Lippen mit Wasser zu benetzen und ­Lebenswasser in uns hineinfließen zu lassen.

Das Bibellesen wird für uns leichter, wenn wir es gemeinsam tun, wenn wir es teilen. Ich erinnere mich gut an die Zeit der Ökumenischen Dekade Kirchen in Solidarität mit den Frauen (1988-1998), als in vielen Gemeinden Dekade-Gottesdienste gefeiert wurden. Längst vergessene und verdrängte Frauen der ­Bibel wurden wieder entdeckt, schwesterlich-geschwisterlich zurückgeholt. Wir feierten die Gemeinschaft mit ihnen und untereinander. Oft gehörte gemeinsames Essen und Trinken dazu. Lebenspendendes Wasser ließen wir uns schenken, einschenken. Das erfrischte Leib und Seele. In einigen Gemeinden werden solche Gottesdienste bis heute gefeiert. Oder es wurden und werden neue Formen bibelbegründeter Lebensbeziehungen gesucht. Durst nach Leben und Sinn bleiben, solange wir uns auf dem Weg zum Brunnen befinden, solange wir uns nach Glauben sehnen. Bis wir endlich sagen können: Es ist keine Spur von Durst mehr in mir.

Hoffentlich werde ich im kommenden Jahr beim so notwendigen Trinken von normalem Wasser aus der Leitung häufiger an das ebenso notwendige Lebenswasser für Herz und Seele denken und mich dadurch stärken lassen – ohn all mein Verdienst und Würdigkeit, wie Luther sagt. Einfach so, weil Gott für mich da ist wie eine Mutter, wie ein Vater, wie ein lieber Mensch, der es gut mit mir meint.


Für die Arbeit in der Gruppe

- Erste Begegnung mit der Jahreslosung
Die Jahreslosung 2018 ist aus der Offenbarung des Johannes genommen: „Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben." (Offb 21,6)

Teilen wir erste Assoziationen, die wir beim Hören dieses Verses haben: Was gefällt mir? Oder: Gibt es etwas, das ich an dem Vers stört? Was kommt mir spontan in den Sinn?

- Biblische und andere Wasser- und Durstgeschichten
Welche biblischen Texte fallen uns ein zu Wasser und zu Durst?

2 große Plakate oder Flipchartbögen auf den Tisch in der Mitte legen (oder an die Wand hängen); in der Mitte steht „Wassergeschichten" bzw. „Durstgeschichten"

Geschichten sammeln und in Stichworten rund um die jeweilige Mitte aufschreiben – Die TN können auch (ohne dabei zu reden) ihre Ideen auf die Papierbögen zeichnen, und anschließend wird gemeinsam geraten, um welche Geschichten es sich handelt.

Bei Bedarf ergänzt die Leiterin / der Leiter:


Wassergeschichten:
- Anfang der Schöpfungsgeschichte: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser" (Gen 1,2). Die Ruach Gottes – wie eine Henne, wärmend, schützend, Leben ausbrütend …
- Brunnengeschichten von Hagar (Gen 16), Rebekka (Gen 24), Rahel (Gen 29), Zippora (Ex 2), der Samariterin (Joh 4)
- Schilfmeergeschichte: Die Wasser teilten sich, so dass das Volk gerettet wurde. Mirjam und die Frauen sangen vom Sieg Gottes und ihrer Befreiung (Ex 15).
- Jesu Taufe am Jordan: „Als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist Gottes wie eine Taube herabkam auf ihn." (Mk 1,10)
- Der Kämmerer aus Äthiopien (Apg 8): „Siehe, da ist Wasser, was hindert's, dass ich mich taufen lasse?"

Es können (gleichzeitig oder anschließend) auch andere Texte gesammelt werden – beispielsweise: „Am Brunnen vor dem Tore", Ballade von den zwei Königskindern …

Gesprächsimpuls: Die biblischen (und auch die anderen) Wassergeschichten haben eines gemeinsam: Nie geht es nur um Wasser als Naturphänomen, sondern um Beziehungen: zwischen Menschen, zwischen Mensch und Gott. Wasser und Liebe, Wasser und Leben – gibt es Situationen, die Sie ganz persönlich ähnlich erfahren haben?

Durstgeschichten:
- Nach der Rettung im Schilfmeer wanderten sie drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Da kamen sie nach Mara; das Wasser war bitter. Da murrte das Volk wider Mose, und der warf auf Gottes Anweisung ein Holz ins Wasser; da wurde es süß. (Ex 15)
- Elia in der Wüste: Elia wollte sterben. Da schickte Gott ihm einen Engel, und der legte ihm ein geröstetes Brot und einen Krug mit Wasser hin. (1 Kön 19)
- Verheißung für Israel im Exil: Die Elenden und Armen suchen Wasser, und es ist nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der Herr, will sie erhören; ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen mitten auf den Feldern und will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen. (Jes 41)
- Durst im übertragenem Sinn in den Psalmen: Wie der Hirsch lechzt nach ­frischem Wasser, so schreit meine See­le, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (Ps 42,2f; siehe auch Ps 63,2; 143,6)
- Jesus am Kreuz: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig ... Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und verschied. (Joh 19,28ff)

- Noch einmal Jahreslosung
Gesprächsimpuls 1: Wonach dürstet es uns? Kennen wir völliges Ausgedörrtsein? Leere? Womit versuchen wir, den Durst nach Leben und Sinnhaftigkeit zu löschen?

Gesprächsimpuls 2: Warum stoßen wir beim Trinken mit besonderen Sprüchen an (Zum Wohl! Prosit!) und sehen uns dabei an?

Gesprächsimpuls 3: „Prosit" heißt wört­­lich übersetzt „Es nütze, es sei zuträglich": Bewahren wir hier unbewusst einen Rest von der Vorstellung, dass (gemeinsames) Trinken etwas elementar Wichtiges ist? Etwas Heilendes, Heiliges? Die Reformation führte den „Laienkelch" wieder ein: Was bedeutet uns das „gemeinsame Trinken" beim Abend­mahl?

- Wir reden nicht nur – wir trinken auch gemeinsam
Einige Gläser werden auf den Tisch gestellt – gefüllt mit frischem Wasser, mit Saft, mit Prosecco, mit Apfelessig, mit Cola, mit Bier, mit Kaffee, mit Milch, mit Smoothies …; dazu auch einige leere Gläser und Mineralwasserflaschen und Krüge mit Leitungswasser.
Die TN werden eingeladen, das Getränk zu wählen, worauf sie im Moment Lust haben.

Gesprächsimpuls: Welches Getränk habe ich für mich gewählt – und warum?

Abschluss: Bringen wir diese Getränke einmal mit Glaubensweisen in Beziehung: Wasser, Sinnbild eines biblisch geprägten Glaubens: ohne alle Zusätze; mal hart, mal weich; immer erfrischend.
Die anderen Getränke mit sehr unterschiedlichen Zusätzen: aufputschend, beruhigend, betäubend, farbig, riechend/duftend, naturbelassen oder künstlich/chemisch aufgepeppt; oft nur kurzfristig den Durst stillend. Dennoch greifen wir zu – dem Leistungsdruck geschuldet, der Neugierde, dem Wunsch nach Abwechslung, vielleicht auch dem Statusdruck. Oder einfach deswegen, weil wir uns nach mehr Individualität sehen? Oder weil wir den Versprechungen von Kommerz und Werbung trauen? Und erleben wir dann Erfrischung? Durst-Befriedigung?

Die Jahreslosung verspricht „lebendiges Wasser – umsonst". Kann ich mich beschenken lassen, einfach so?

Lied
Brunn alles Heils (EG 140)


Maria Jepsen, 72 Jahre, war Gemeindepastorin in Meldorf/ Dithmarschen und Leck/Schleswig und Pröpstin im Kirchenkreis Harburg , bevor sie 1992 Bischöfin in Hamburg und ab 2008 Bischöfin in Hamburg und Lübeck wurde. Seit 2010 ist sie im Ruhestand und lebt zusammen mit Ihrem Mann in Husum an der Nordsee.

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