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Der Preis der Untätigkeit ist weitaus größer
als die Kosten einen Fehler zu machen.(Meister Eckhart 1260-1327)

Wasser, das die Seele stillt

Andacht zur Jahreslosung 2018

von Dagmar Krok


Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben. – Offenbarung 21,6

In der Mitte steht ein Glaskrug mit frischem, gut gekühltem Wasser. Vorbereitet ist auch ein Tablett mit einem Glas für jede Frau.

Jetzt.
Ankommen.
In deiner Nähe sein Gott
aus deiner Quelle schöpfen
Stille, Gebet und Zwiesprache.

Durst stillen
Lebens-Durst spüren
dankbar empfangen
deine Gegenwart.
Hier.

Lied:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott

„Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben." Die Jahreslosung lockt mich. Ganz unvermittelt bekomme ich etwas versprochen. Ein großes Geschenk wird mir in Aussicht gestellt. Ich freue mich schon darauf.
Habt Ihr schon einmal frisches Quellwasser, das aus der Erde sprudelt, getrunken? Köstlich ist das. Spritzig und lebendig. Seine Kühle erfrischt, die Energie des Wassers ist in jeder Körperzelle zu spüren. So stelle ich mir auch die Quelle des Lebenswassers vor. Ich freue mich darauf!

Jede Frau bekommt ein leeres Glas gereicht. Kurze Stille.

Das Glas ist leer und soll es auch noch eine Weile bleiben. Ich möchte mit Euch über die Qualität des Dürstens nachdenken. Obwohl wir in einem Land leben, in dem wir fast jederzeit Zugang zu sauberem Wasser haben, bin ich mir sicher, dass eine jede von uns schon einmal richtig durstig war. Dann wird der Mund trocken, die Zunge klebt am Gaumen, das Sprechen fällt schwer, und das ganze Tun richtet sich danach aus, endlich etwas zu trinken zu bekommen. Dass Durst so intensiv ist, hat die Natur gut eingerichtet. Ein Mensch kann zwar mehrere Tage ohne zu essen, aber eben nicht ohne zu trinken leben. Durst müssen wir spüren, das ist lebensnotwendig! Nur was nicht lebt, kennt keinen Durst. Der Durst treibt uns an, nach dem zu suchen, was wir zum Leben brauchen.

Es geht in der Jahreslosung um mehr als um Durst nach Wasser. Es geht um den Durst nach Leben in all seinen Facetten. Vieles steht bereit, den Durst zu stillen: Karriere und Anerkennung, Gesundheitstrainings, Erfüllung eines Lebenstraumes, Partnerschaft, Familie. Eine Flut von Möglichkeiten den Durst zu stillen. Das ist gut so. Doch werden unser Durst, unsere Sehnsüchte nach Leben nicht manchmal darin ertränkt? Können wir den Durst nach Leben noch spüren? Wonach dürstet es Euch? Aus welchen Quellen möchtet ihr leben?

Stille

Gott verspricht: „Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben." Menschen fasten oder gehen auf Pilgerreisen, damit sie wieder zu Dürstenden werden. Im Verzicht suchen sie die Quelle.

Der Vers der Jahreslosung beginnt mit den Worten: „Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das O, der Anfang und das Ende." Ganz am Anfang ist es geschehen, Gott hat uns schon einmal schmecken lassen – es ist geschehen – in diesem Moment ist unser Durst nach mehr, unsere Lebenssehnsucht geboren. Solange wir diesen Durst spüren, kennen wir das Ziel unseres Lebens und wachsen ihm entgegen. Es ist geschehen und wird auf dem Weg geschehen, Gott gibt aus der Quelle des Lebenswassers umsonst.

Es ist wie mit einem Baumsamen. Der Samen ist ausgestattet mit Nährstoffen, um einige Zeit zu überleben. Das Leben – das Wachstum – beginnt in dem Moment, in dem der Samen mit Wasser in Berührung kommt. Zunächst zögerlich entstehen feine Wurzeln. Das Wasser ermöglicht Wachstum. Der Durst lässt Neues entstehen. Menschen, die Gott suchen, sind wie solch ein Keimling. „Es gibt ein Leben in uns, das in gleicher Weise nach Wasser dürstet, wie unser Körper. Es ist der Durst unserer Seele (…) Darum ist es wichtig zu fragen, ob ich das lebendige Wasser, das meine Seele stillt, eigentlich kenne. Das Wasser steht in der Bibel für die Erkenntnis Gottes. Es ist sonderbar, doch wer dieses Wasser kennengelernt hat, in dem wächst zugleich auch der Durst nach Gott. (…) wo immer der Glaube eines Menschen lebendig ist, da entwickelt sich ein inneres Dürsten nach Gott. Es ist ein unstillbares Verlangen."1

Mit diesem Durst, dieser Sehnsucht sind wir unterwegs. Zuversichtlich dürfen wir sein: Gott ist Quelle und Lebenswasser. Ich freue mich schon darauf. Gott verspricht: Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben.

Wasser in die Gläser füllen und zum Trinken einladen – Stille

Gott legt eine Sehnsucht in unser Herz
und lässt es rieseln
und rinnen
fließen
und fluten
in uns

wir trinken
schlürfen genüsslich
bis tief in die Seele
mit lebendigem Wasser segnet uns Gott. – Amen

Danklied
Ich singe dir mit Herz und Mund
(EG 324,1+2)


Dagmar Krok, geb. 1965, ist Diakonin und Dipl.-Sozialpädagogin. Sie arbeitet als Referentin im Frauenwerk der Nordkirche und ist Mitglied im Redaktionsbeirat ahzw.

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