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Und lass mein Wort wie eine Wolke sein,
die segensschwer auf trocknes Erdreich fällt. (Hedwig Dransfeldl)

Teil heiter, teils wolkig

von Margot Papenheim


Schon auf den allerersten krakeligen Zeichnungen ganz kleiner Menschenkinder tauchen, neben der Sonne, unweigerlich Wolken auf. Aber auch wir großen können uns ihrer Faszination nicht entziehen.

Wolken wurden schon immer und werden beobachtet, fotografiert und gemalt. Wir zählen sie, schäfchenweise, wenn wir nicht einschlafen können. Sie wurden und werden naturwissenschaftlich analysiert, und im Internet kann ich nachschauen, was das Wolkenorakel an Informationen über meine Zukunftsaussichten bereit hält. Und natürlich werden Wolken in Verse gefasst. Als „Gedanken des Himmels" von Christian Morgenstern, als „Tor in solche Fernen, wie sie vielleicht nur Vögel kennen" von Rainer Maria Rilke. Für Goethe kamen sie „als ein Gespenst, Gespenster bildend" daher oder, durch die bildende Kraft unserer menschlichen Phantasie, als Löwen, Elefanten und „Kameles Hals, zum Drachen umgewandt".

Vor allem aber haben Wolken immer auch mit Freiheit zu tun. Von oben, von „über den Wolken" aus gesehen müsse sie grenzenlos sein, würden doch „alle Ängste, alle Sorgen darunter verborgen" bleiben. So jedenfalls besang das Reinhard Mey Mitte der 1980er Jahre. Von unten aus gesehen, aus der Perspektive derer, die sich nach Freiheit sehnen, ­ziehen sie Augen, Herz und Verstand geradezu magisch an. Nach 100 Tagen Einzelzelle im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul diktiert der Journalist Deniz Yücel seinen Anwälten eine Nachricht, die welt.de am 24. Mai 2017 veröffentlicht. Erzählt von den acht Meter hohen, mit Stacheldraht gekrönten Mauern, die den zubetonierten kleinen Hof hinter seiner Einzelzelle umgeben. Über den gesamten „Garten" ist ein Maschendrahtzaun gespannt. „Wohl damit wir nicht die Wolken berühren", zitiert Yücel seinen ebenfalls hier eingesperrten Kollegen, den Karikaturisten Musa Kart von „Cumhuriyet".

Ganz federwolkenleicht ist das Thema also nicht, um das dieses Sommerheft der ahzw sich dreht.

Und dann sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, natürlich auch in diesem Jahr herzlich eingeladen, unser wieder recht kniffliges Preisrätsel zu knacken. Ob drinnen, an einem der wolkenverhangen-regnerischen Tage dieses Sommers, ob draußen unterm Sonnenschirm: Viel Vergnügen dabei!

Ein „PS" in eigener Sache: Ich freue mich, dass ich nach vier Ausgaben ahzw-­Pause wegen anderer Aufgaben wieder an Bord bin. Danke, Andrea Blome, für die klasse Vertretung!

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